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Die Termitenplage 🪳

  • Autorenbild: Margarethe Ueter
    Margarethe Ueter
  • 23. Dez. 2023
  • 6 Min. Lesezeit

Am Sonntag (04.11.2023) bin ich aufgewacht, weil irgendetwas gegen das Fliegengitter, das vor meinem Fenster ist, gedonnert ist. Immer wieder. Ich hatte Frühdienst, also habe ich dann meine Brille gesucht und gefunden. Ich habe aus demFenster geguckt und gesehen, dass ganz viele Insekten gegen das Fliegengitter geflogen sind. Es waren sehr viele gleiche Insekten. Zu dem Zeitpunkt hatte ich aber noch keine Ahnung, was das für Tiere sind. Die Tiere sind bestimmt vom Licht, welches draußen immer an ist, angezogen worden. Dass es total geregnet hat und die Tiere sich vor dem Regen in Sicherheit bringen wollten, war bestimmt ein weiterer Grund. Ich habe mir erstmal nichts weiter dabei gedacht und Nora und ich haben uns wie immer fertig gemacht.

Wir haben uns kurz gewundert, warum um kurz vor sechs draußen schon Leute herumlaufen, weil das normalerweise nicht so ist. Nora hat mir erzählt, dass sie davon wachgeworden ist, dass eines dieser Tiere sich in ihrem Moskitonetz verirrt hatte, welches sie eigentlich vor Tieren schützen soll. 

Wir haben durch Noras Tür das Zimmer verlassen und haben uns sehr erschrocken. Der gesamte Flur war voll mit den Tieren, die auch gegen mein Fliegengitter geflogen sind. Annajoyce (18 Jahre) und Kevina (11 Jahre) waren dabei die Tiere einzusammeln. Auf dem gesamten Boden lagen die Flügel der Tiere verteilt. Vereinzelte flogen noch im Flur herum. Nora und ich sind so schnell es ging durch den Flur gegangen. 

Nora und ich waren gerade auf dem Weg zum Jungenhaus, weil wir die Jungs wecken sollten. Da hat Annajoyce uns gesagt, dass wir die Jungs erst um sieben wecken sollen. Da kamen uns aber schon zwei Jungs entgegen. Sie hatten beide einen Becher in der Hand. In dem Becher waren die Tiere, ohne Flügel aber noch am Leben. 

Das Jungenhaus war auch überall voller Tiere. Daher haben Nora und ich uns entschieden, noch knapp eine Stunde zu schlafen. Dafür mussten wir dann wieder durch den Flur, der voll mit den Tieren war. Wir sind wieder ganz schnell durch gelaufen. 

Nach knapp einer Stunde Schlaf sind Nora und ich wieder zum Jungenhaus gegangen und haben die Brote für das Frühstück geschmiert. Alle haben geholfen die Flügel der Tiere einzusammeln. Die Tiere waren wirklich überall. Die Kids haben die Tiere gesammelt. Ich bin einfach davon ausgegangen, dass sie Spaß daran haben sie zu sammeln. Als mir dann Boniface (9 Jahre) erzählt hat, dass sie die Tiere kochen und dass sie richtig lecker sind, hat es ein bisschen gedauert, bis ich verstanden hatte, was er mir gerade erzählt hatte. 

Da es hier auch sehr kleine Fische gibt, die einfach so im Ganzen gegessen werden, hat mich das Ganze nach längerem Überlegen schon gar nicht mehr so überrascht. 

Als der Regen aufgehört hat und alle Jungs fertig waren mit Frühstücken, bin ich raus gegangen und wollte gucken, was die Mädchen machen. Viele der Mädchen waren dabei irgendetwas im Gras zu suchen. Ich bin auf die Gruppe zu gegangen und Pelagia (10 Jahre) kam direkt auf mich zu und zeigte mir stolz, wie viele nasse Tiere sie schon gesammelt hatte. Sie wollte gerne, dass ich ihr die Insekten abnehme. Ihre ganzen Hände waren voll und die nassen Flügel haben überall geklebt. Da habe ich erst verstanden, dass sie die Insekten in der Wiese suchen. Ich habe mich dazu entschlossen nicht mitzuhelfen, woanders hinzugehen. 

Doch vor den Insekten entkommen, konnte ich leider nicht. Sie waren einfach überall und ich hatte das Gefühl, dass sich jeder nur damit beschäftigt. 

Sowohl im Mädchenhaus, als auch im Jungenhaus waren die Mamas dabei, die Böden von den Tieren und vorallem von den Flügeln der Tiere zu befreien. 

Vanessa (12 Jahre) und ein paar andere Kinder haben die Insekten gewaschen und sortiert. 


Irgendwann saß ich mit Alicia (3 Jahre) im Sandkasten. Sie saß direkt neben mir mit einem Becher in der Hand, in dem ein paar lebende Insekten waren. Sie hat sich dann ein Insekt raus genommen und es ist ihr in den Sand gefallen. Sie hat  das lebende Tier wieder aufgehoben und mit ein bisschen Sand dran, in den Mund gesteckt. Ich habe es richtig knacken gehört. In mir hat sich alles zusammengezogen. Ich habe mich dann gefragt, ob ich sie hätte aufhalten sollen, aber so schnell wie sie sich das Insekt in den Mund gesteckt hat, hätte ich gar nicht reagieren können. 

Danach brauchte ich erstmal eine kurze Pause. Eine Pause ohne Insekten. 


Am Mittag hatte ich den Schock schon fast überwunden. Ich saß draußen bei den Anderen, da hat Editha (14 Jahre) mehrmals noch lebende Insekten vor meine Gesicht gehalten und meinte, dass ich sie essen soll. Editha hat sich sehr an meinem kleinen Ekel erfreut und ich war sehr skeptisch, ob es wirklich normal ist, die Insekten noch lebend zu essen. Irgendwann hat sie mich dann netterweise in Frieden gelassen, nachdem ich mindestens zehnmal abgelehnt hatte.

Alicia mkubwa (große Alicia 9 Jahre) und ein paar andere Kinder haben am Tisch die Insekten gewaschen. Ich saß einfach nur daneben, weil ich nicht wusste, was ich machen sollte. Dann kam Mama Nasalius auf mich zu. Sie hat mir auch ungefähr fünf Mal angeboten ein Insekt zu essen. Ich habe versucht, das irgendwie höflich abzulehnen. Dabei habe ich gedacht, dass wenn mir sogar eine Mama die Insekten anbietet, dass ich dann wirklich eine essen könnte, rein theoretisch. Dann kann es ja nicht sooo schlimm sein. 

Beim Mittagessen hatte ich das Gefühl, dass sich alle total über die Insekten freuen und sie genüsslich essen. Nur Nora und ich haben uns nicht getraut. 

Den Nachmittag habe ich dann damit verbracht, nicht mehr an die Inekten zu denken (das habe ich zumindest versucht). 


Als Nora und ich zum Abendessen gegangen sind, haben wir uns gesagt, dass wir eigentlich ein Insekt probieren müssten. Wir wussten zu dem Zeitpunkt noch nicht, was genau das für Tiere waren. Ich habe nicht daran geglaubt, dass ich mich wirklich trauen würde, ein Insekt zu essen. 

Aber ich habe mir immer gesagt, das ich alles probieren möchte auf meiner Reise, damit ich auch ja nichts verpasse. 


Alicia (3 Jahre) saß beim Abendessen und hatte einen Teller voll mit den Insekten. Ich weiß auch nicht, wie das passiert ist, aber wir haben sie gefragt, ob wir zwei haben können. Sie war, glaube ich, ein bisschen überrascht, dass wir nur zwei haben wollten. So saßen wir dann mit unseren Nudeln und zwei Insekten am Tisch. 

Ja und dann haben wir sie probiert. Asimwe (23 Jahre) stand die ganze Zeit neben uns und war sehr gespannt, wie wir reagieren, da wir uns erst ein bisschen angestellt haben.

Nora wollte erst nur die Hälfte von diesem kleinen Insekt essen. Ich habe aber gesagt: „Wenn schon, denn schon”. Man kann das kleine Tier nicht in der Hälfte teilen. Wir haben es dann gleichzeitig gegessen und es war gar nicht so schlimm. Es war einfach nur salzig. 

Später wollte ich dann noch eine probieren. Also haben wir noch zwei Insekten von Alicia (3 Jahre) bekommen. Da kam dann ein leichter Käfer/Insekten Geschmack durch, aber hauptsächlich war es einfach nur salzig. 


Ich hätte niemals gedacht, dass ich mal ein Insekt essen würde. Ich habe mir zwar immer vorgenommen, dass ich alles probiere, was mir hier angeboten wird, aber damit habe ich nicht gerechnet. Vorallem nicht, als ich von dem Geräusch wachgeworden bin, als die Insekten gegen mein Fliegengitter gedonnert sind. In dem Moment hat es mich total an die Heuschreckenplage aus der Bibel erinnert. Aus diese Grund habe ich mich dazu entschieden den Beitrag "die Termitenpalge" zu nennen, auch wenn die Menschen hier vor Ort die Termiten nicht als Plage bezeichnen würden. Ich hatte eher das gefühl, dass sich alle sehr darüber gefreut haben.

Ich habe fast den ganzen Tag gebraucht, um mich an den Gedanken gewöhnen. Ich habe aber gedacht, wenn nicht jetzt, wann dann? Und wer kann schon von sich behaupten, ein Insekt gegessen zu haben ? Ich jetzt schon. 


Später haben wir noch ein bisschen recherchiert. Die Insekten heißen Hodotermitidae und gehören zu der Termitenfamilie. Auf Kiswahili heißen die Tiere Kumbikumbi und es scheint hier allen sehr gut zu schmecken.

Ich finde es jetzt nicht mehr schlimm oder ekelig, aber besonders lecker finde ich die Insekten auch nicht. Von daher werden sie nicht mein neuer Lieblingssnack. 

Am nächsten Tag war von den Termiten nichts mehr zu sehen und zu hören. 



Kinder, die ich in diesem Beitrag erwähnt habe:

Annajoyce (18 Jahre)

Kevina (11 jahre)

Boniface (9 Jahre)


Pelagia (10 Jahre

Vanessa (12 Jahre)

Alicia mdogo (3 Jahre)


Editha (14 Jahre)

Alicia mkubwa (9Jahre)

Asimwe (23 Jahre)

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