Die Kirche ⛪
- Margarethe Ueter
- 2. Dez. 2023
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 3. Dez. 2023
Die Kirche, die sich hier mit auf dem Gelände befindet, ist auch gleichzeitig eine Turnhalle. In dem vorderen Teil ist der Altarraum und ein paar Bänke. Dann kommt eine große Tür, die während des Gottesdienstes offen ist. In der Allzweckhalle werden ganz viele Plastikstühle aufgestellt und Teppiche, auf denen kleine Kinder liegen oder Mamas sitzen können.
Der Altarraum gefällt mir sehr gut. Er ist schlicht gehalten. Es gibt keine "unnötigen" Goldverzierungen, keine bunten Fenster oder sonstigen Schnickschnack. Vorne steht ein Altar mit einem weißen Tuch, zwei Kerzenständer aus Gold und ein Buchständer aus Gold. Dazu ein Rednerpult, welches mit einem Tuch abgedeckt ist. Leider habe ich keine Osterkerze gesehen. Es gibt einen Tabernakel aus Holz und die Kähnchen für Wasser und Wein, die in Deutschland oft aus Gold sind, sind hier zwei kleine Plastikflaschen. Es gibt ein Funk Mikrofon mit einem Holzständer.
Alle benötigten und wichtigen Dinge sind also vorhanden auch wenn es sehr einfach gehalten ist und das gefällt mir.
Der Ablauf des Gottesdienstes ist ähnlich wie in Deutschland. Es wird allerdings viel mehr gekniet und wieder aufgestanden. Es sind einfach Bänke, auf denen wir sitzen, das heißt, es gibt keine Kniebänke oder ähnliches. Wir knien einfach auf dem Boden. Es wird viel gesungen, doch Liederbücher gibt es keine. Die Gemeindemitglieder kennen die Lieder auswendig. Es wird in verschiedenen Stimmen gesungen. Meistens wird das ganze nur mit Trommeln und klatschen begleitet. Es wird nicht nur auf die eins geklatscht, so wie das in Deutschland oft der Fall ist, sondern in einen richtigen Rhythmus, so dass richtig schöne Musik entsteht. Manchmal spielt jemand auch Keyboard. Das kommt aber nicht so oft vor. Der Mann, der beim letzten mal das Keyboard bedient hat, hat auch versucht die Musik, die ein Keyboard auf Knopfdruck machen kann, mit einfließen zu lassen, das hat aber leider nicht ganz zu gut geklappt.
Die Gottesdienste werden meist auf Kiswahili gehalten. Leider verstehen Nora und ich deshalb oft nicht, worüber gesprochen wird. Manchmal verstehen wir einzelne Wörter. Ich persönlich bin dann oft in Gedanken ganz wo anders und denke über viele Dinge nach. Oft passiert es dann auch, dass ich sehr emotional werde, ohne dass ich genau weiß, warum. Vielleicht ist es der Ort, vielleicht aber auch, weil ich so viel Zeit zum Nachdenken habe.
Als ich das erste mal im Gottesdienst hier war, habe ich so richtig realisiert, dass ich jetzt hier bin. Wir waren am Tag vorher hier im Nikolaushaus angekommen. Im Gottesdienst habe ich dann realisiert, dass ich mich wirklich getraut habe zu fahren. Ich bin hier in einem ganz anderen Land, auf einem ganz anderen Kontinent. So viele tausend Kilometer von Zuhause entfernt. Ich habe Zuhause so oft daran gezweifel, ob ich wirklich in dieses Flugzeug steige und mich traue diese Reise, dieses Abenteuer anzutreten. Doch ich habe mich getraut und bin jetzt hier. Leider verstehe ich niemanden und hoffe sehr, dass sich das irgendwann ändert, dass ich mich hier wohlfühlen kann und dass ich das Nikolaushaus als mein neues Zuhause sehen kann. Das waren alles meine Gedanken in dieser Messe.
Heute kann ich sagen, ich fühle mich wohl und habe angefangen mich hier Zuhause zu fühlen. Doch meine Familie und Freunde vermisse ich natürlich trotzdem. An manchen Tagen mehr, an anderen weniger. Es war der richtige Schritt, denn ich habe schon so viel gelernt. Ich bin sehr dankbar für die Chance hier zu sein. Es ist nicht immer alles einfach, aber bis jetzt habe ich fast jede Herausforderung irgendwie gemeistert.
Zurück zum Gottesdienst; der dauert in der Regel zwei Stunden, also habe ich viel Zeit zum Nachdenken und emotional sein.
Es ist ganz normal, dass sich alle immer super schick für die Kirche machen. Die Kinder haben ihre besten Kleider an. Alle sehen super süß aus. Manche Mädchen aus dem Nikolaushaus haben oft richtige Prinzessinenkleider an. Aus Deutschland kenne ich solche Kleider nur als Verkleidung, um Prinzessin zu spielen. Ich finde es super süß, dass die Kids sie hier zum Gottesdienst anziehen dürfen.
Es kommen auch sehr viele Menschen aus dem Dorf zum Gottesdienst und ich sehe jede Woche sehr schöne Kleider. Alle sehen absolut schick aus. Die Kleider sind total Bunt und haben super schöne Muster. Ich habe auch schon oft Schwestern gesehen, die das gleiche Kleid anhaben, der gleiche Schnitt, derselbe Stoff. Super süß.
Manche Jungs haben sich schöne Hemden schneidern lassen aus den buntesten Stoffen. Das sieht wirklich richtig toll aus.
Es werden bunte Muster kombiniert und es sieht immer total toll und sehr fröhlich aus.
Es gibt zwei Pfarrer. Einer von Beiden kommt immer und hält den Gottesdienst. Einmal ist es vorgekommen, dass alle schon saßen und darauf gewartet haben, dass der Gottesdienst anfängt. Der Pfarrer war aber noch nicht da. Auf einmal kam er angeflitzt mit seinem Motorrad und kam ganz schnell rein und hat sich umgezogen. Dann hat er die Messe gehalten (zwei Stunden lang). Am Ende liest immer noch ein Mann eine halbe Stunde lang etwas vor (ich hab noch nicht verstanden was genau, Nora und ich vermuten, dass es Vermeldungen sind). Normalerweise geht der Pfarrer erst danach raus. Doch an diesem einen Sonntag hat er schon kurz vorher den Altarraum verlassen und hat sich umgezogen. Und während der Mann noch irgendwas erzählt hat, ist er in Jogginghose durch den Altarraum raus gegangen und mit seinem Motorrad wieder abgedüst. Ich hab wohl sehr irritiert geguckt, denn Schwester Celestina hat mich dann aufgekärt und mir zugeflüstert, dass er noch wo anders predigen muss. Ich musste mir echt das Lachen verkneifen, als er sich in Jogginghose vor dem Altarr verbeugt hat.
Im Gottesdienst gibt es Messdiener und eine Art Kollekte. Ein Korb wird vorne vor dem Altar aufgestellt und erst stehen vereinzelte Kinder auf und dann Erwachsene, um Geld in den Korb zu werfen.









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