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Unterricht 🧑‍🏫

  • Autorenbild: Margarethe Ueter
    Margarethe Ueter
  • 7. Okt. 2023
  • 4 Min. Lesezeit

Nora und ich werden zu zweit Unterrichtet. Generell wird hier in Kleingruppen unterrichtet und oft auch im Einzelunterricht. Wir haben zwei liebe Lehrerinnen, Lilly und Emmy. Die beiden versuchen immer mit sehr viel Begeisterung uns die Sprache nah zu bringen🥰.

Der Unterricht findet natürlich auf Englisch statt, was für mich echt nicht leicht ist. Ich kann nicht gut Englisch, aber bei Lilly und Emmy fühle ich mich sehr wohl, denn ich kann auch fünfmal nachfragen und sagen, dass ich es immernoch nicht verstanden habe. Dann versuchen sie es nochmal auf eine andere Art zu erklären. So sind schon viele lustige Momente entstanden und wir haben viel gelacht☺️.

Generell ist das Verhältnis zu den Lehrern nicht so, wie ich das aus der Schule in Deutschland kenne, sondern vielmehr so, wie eine Freundin, die versucht, dir eine neue Sprache beizubringen. Das finde ich sehr schön und hebt die Stimmung🥰. Wir waren Beispielsweise mit den Lehrern wandern und in der Stadt Morogoro, aber dazu in einem anderen Beitrag mehr 😉.


Nora und ich wohnen auf dem Gelände der Sprachschule, so wie die meisten anderen Sprachschüler. Die Zimmer sind in sieben verschiedenen Gebäuden untergebracht. Die Häuser bestehen jeweils aus vier Zimmern hintereinander. Auf der Seite der Wohnhäuser ist noch ein großes Haus, wo die Küche ist und wir alle Mahlzeiten gemeinsam zu uns nehmen.

Auf der anderen Seite des Geländes ist das Schulgebäude. Um zu unserem Schulgebäude zu gelangen, laufen wir immer an dem Schulgebäude der Einheimischen vorbei.

Die Klassenzimmer sind von außen zu erreichen. Unser Klassenzimmer ist kein richtiges Zimmer, sondern mehr eine überdachte Nische. Ein bisschen wie eine kleine Garage. Das Gebäude besteht nur aus diesen Nischen. In dem “Zimmer” steht ein Tisch, an dem wir immer sitzen. Die Nische ist so breit, dass man am Tisch auf der einen Seite gerade so, noch vorbeikommt, um sich dahinter zu setzen.

Die Stühle holen wir uns jeden Morgen aus einem anderen Klassenzimmer (das ist eher so ein Klassenzimmer, das ich aus Deutschland kenne). Dieser Klassenraum ist in dem Gebäude direkt nebenan. Da sind zwei bis drei dieser Klassenräume, die verschiedenen groß sind.


Unsere Tafel holen wir auch immer aus dem Klassenzimmer, wo auch die Stühle stehen. Die Tafel besteht aus einem Holzgestell und einem Flipchart (Papier). Auf dem Flipchart schreibt Lilly uns die wichtigsten Sachen auf und erklärt uns die Grammatik und die Vokabeln.



Unterrichtsinhalte


Im Unterricht lernen wir nicht nur die Sprache sondern auch viel über die Kultur. Generell ist der Unterricht nicht so, wie ich ihn von Zuhause kenne. In den ersten beiden Einheiten des Tages ist der Fokus meistens auf der Grammatik und den Vokabeln. In der dritten und letzten Einheit des Tages geht es dann mehr um die Aussprache und darum, dass wir die Sprache hören und sprechen.

Wir haben vor allem die Vokabeln gelernt, die für uns ist vor Ort nützlich sein könnten. Dinge, die es hier so gibt. Wie zum Beispiel Reis, Ei, Brot, Fleisch und so weiter.


Hier begrüßt jeder jeden und man führt immer schon eine halbe Konversation, bevor man richtig anfängt miteinander zu reden, auch nur im Vorbeigehen. Das ist für mich immer noch ein bisschen befremdlich, da ich in Deutschland keine Konversation starte, wenn ich nur an jemanden vorbei gehe. Viele sagen in Deutschland nicht mal Hallo, wenn man aneinander vorbeikommt.

Übersetzt fragt man am Anfang, welche Neuigkeiten es zum Morgen, zum Nachmittag, zum Abend, in der Nacht oder am Tag gibt. Die Antwort ist immer “Gute (Nachrichten)” und dann fragst du zurück, ob es dem Anderen gut geht und die Antwort ist immer "gut". Denn den Menschen hier geht es nicht schlecht. Selbst wenn man zum Beispiel im Krankenhaus liegt, kann man noch reden, also geht es einem gut.

Das finde ich persönlich auch sehr seltsam. Wenn mich jemand zuhause gefragt hat, wie es mir geht, habe ich meistens mit “muss” geantwortet oder mit “ganz gut”. Hier geht es einem immer gut. Das Einzige, was man noch sagen kann, ist, dass es einem nur ein bisschen gut geht, dann muss aber gefühlt die Kacke schon am dampfen sein 😂.


Was mich sehr überrascht hat, ist das Lieben und Mögen auf Kiswahili das gleiche ist. Sie haben nur ein Wort für beide Ausdrücke und zwar “kupenda”. Der Empfänger muss also selber wissen, ob mögen oder lieben gemeint ist.


So wie es einem immer gut geht, sind auch alle Freunde (rafiki). Es ist eine große Gemeinschaft, die gegenseitig auf sich achtet und jeden grüßt. Die Gemeinschaft wird auch dadurch deutlich, dass wenn man eine arbeitende Person sieht, also zum Beispiel den Gärtner, der gerade im Garten arbeitet, das man sich bei dieser entschuldigt, dass sie arbeiten muss.


Wenn man zu einem Freund nach Hause geht und vor der Tür steht, dann ruft man laut “Hodii” damit der Freund weiß, dass jemand da ist, denn die meisten Häuser haben keine Klingel. Um ihn hereinzubeten, antwortest du mit Willkommen (karibu). Am Anfang fanden wir das sehr witzig und Nora und ich habend es immer gemacht, wenn wir in das Zimmer der anderen gegangen sind😅.


Was für mich sehr ungewohnt ist, ist dass man nichts haben kann. Man besitzt nichts, sondern ist nur mit etwas. Also man besitzt kein Buch, sondern man ist mit dem Buch. Das Buch gehört der Gesellschaft. Das bedeutet auch zum Beispiel, dass wenn ich mir ein schönes Kleid kaufe, und Nora das schön findet, sie es sich ausleihen kann. Dann wäscht sie es und bringt es mir zurück. Da es aber ein Teil der Gesellschaft ist, kann ich nicht sagen, dass mir aber das Kleid gehört, obwohl ich es bezahlt habe.

Ein anderes Beispiel, was das Ganze verdeutlicht, ist, dass man keine eigenen Kinder hat. Die Kinder sind immer Teil der Gesellschaft. Du kannst also nicht sagen, dass es deine Kinder sind. Der Satz, "Nora ist mit Kindern" und ,,Nora ist mit ihren Kindern" bedeutet übersetzt das Gleiche. Wenn also jemand kommt und fragt, ob er sich die Kinder ausleihen darf, für eine Woche kannst du nur sagen, dass er sie für zwei Tage ausleihen kann und dann bitte wieder zurückbringen soll, denn es sind Kinder der Gesellschaft und nicht deine Kinder.


PS: Diese Beispiele, die ich oben genannt habe, hat Lilly im Unterricht verwendet.



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