Besondere Momente 1✨
- Margarethe Ueter
- 3. März 2024
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 9. März 2024
Im Folgenden möchte ich ein paar Erlebnisse mit Euch teilen, die mich sehr glücklich gemacht haben oder die mir einfach im Gedächtnis geblieben sind, aus den ersten Monaten hier im Nikolaushaus.
28.09.2023
Im Kindergarten sind wir morgens bis zur Busstation gelaufen mit ein paar Kindern und Mama Titu. An der Busstation ist auch ein Brunnen mit Trinkwasser. Wir saßen an der Haltestelle und haben auf irgendetwas gewartet. Ich hatte aber keine Ahnung worauf. Zwischen durch sind Busse an uns vorbei gefahren. Die sahen schon relativ voll aus.
Dann ganz plötzlich sind alle aufgesprungen und wir haben uns auf den Rückweg gemacht. Alle waren total gestresst und ich habe überhaupt nicht verstanden, warum. Die Kinder sollten los rennen und irgendjemand hat auf den Himmel gezeigt. Auf den letzten Metern zurück zum Nikolaushaus hat es dann angefangen zu regnen. Wir waren alle gerade in der Mehrzweckhalle angekommen, da hat es richtig heftig angefangen zu regnen. Es gab ein heftiges Gewitter und die Anderen haben es kommen sehen. Deshalb sind wir zurück gegangen.
30.09.2023
Ich habe heute meinen Mut zusammen genommen und die Mamas gefragt, ob ich ihnen beim Kochen helfen kann. Ich habe ganz viel geschnibbelt und hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass ich nützlich sein kann. Zwischendurch war es ziemlich unangenehm, weil ich nicht verstanden habe, was sie mir sagen wollten. Aber mit Händen und Füßen und sehr viel Geduld, hat dann alles geklappt.
Als alles an Gemüse geschnibbelt war, wurde ein Riesenklotz rohes Fleisch neben mich gestellt. Die Mamas haben mir zu verstehen gegeben, dass ich das jetzt schneiden soll. Ich habe wohl sehr verstört geguckt, denn als ich mich gerade zusammen gerissen hatte und dachte, okay, eine neue Herausforderung, haben schon alle gelacht und eine Mama hat das Fleisch klein geschnitten. Damit war ich entlassen und ich bin wieder zu den Kids gegangen.
01.10.2023
Nach der Kirche habe ich Noras Haare geflochten und eine Mama hat uns zu verstehen gegeben, dass ich ihre Haare auch flechten soll. Natürlich habe ich gesagt, dass ich das gerne machen kann. Ich hatte viel Respekt davor und war der festen Überzeugung, dass das Andere hier im Haus tausend Mal besser können als ich. Ich hatte keine Ahnung, was auf mich zukam. Ich hatte noch nie Afrohaare in der Hand, geschweige denn, dass ich sie geflochten habe. Doch ich habe es als Herausforderung gesehen, der ich mich gerne stellen wollte. Das habe ich dann auch gemacht. Die Haare sind fest und lockig. Bis dahin hatte ich nur glatte Haare geflochten.
Die Mama hatte die Haare sehr gut vorbereitet, so daß ich sie "nur noch" flechten musste. Zwischendurch habe ich gedacht, das es am Ende bestimmt total doof aussehen wird.
Doch ich habe es erstaunlich gut hinbekommen. Ich war von meinem Ergebnis positiv überrascht. Natürlich war es nicht so gut, wie von Andere, die darin geübter sind, es hinbekommen hätten. Aber ich war mit meinem Ergebnis zufrieden. Es hat viel länger gedauert, als ich gedacht habe, aber es hat mir sehr viel Spaß gemacht und die Mama schien auch mit dem Ergebnis zufrieden zu sein.
07.10.2023
Heute haben mich Johny (4), Jason (4) und Tumaini (7) über das Gelände gezogen. Ich hatte nur Schlappen an und war überhaupt nicht darauf vorbereitet, über irgendwelche Felder zu rennen. Doch die Jungs haben mich einfach hinter sich hergezogen und ich hab das Gelände auf eine ganz neue Art kennengelernt. Ich bin durch irgendwelche Schleichwege gekrochen und bin durch den Schlamm gelaufen. Mittlerweile lauf ich auch mit den Schlappen durch die Stadt, so wie es alle hier tun, aber diesem Tag war ich defenitiv noch nicht soweit.
08.10.2023
Sonntags ist immer ein kleiner Ausflug. Diese Woche sind wir mit Clemens zum Schwimmen gefahren. Das haben wir erst nicht ganz verstanden. Aber als wir dann im Auto saßen, hat alles Sinn gemacht.
Nora und ich wollten nicht schwimmen gehen, weil uns gesagt wurde, dass man sich mit Parasiten infizieren kann. Also haben wir das lieber gelassen.
Wir saßen also in dem Auto, das vollgepackt mit Kindern und Schwimmsachen war. Nora und ich saßen vorne bei Clemens.
Clemens hat auf dem Weg nochmal angehalten und Getränke und Kekse gekauft. Uns hat er gefragt, ob wir lieber Wasser haben wollen. Ich hatte aber eine Flasche Wasser dabei und er saß schon wieder, also haben wir abgelehnt und wir sind weiter gefahren.
Schnell wurde die Straße zu einer sehr steinigen und bergigen Angelegenheit. Man musste sich den besten Weg ein bisschen suchen. Aber Clemens ist ganz vorsichtig gefahren und so haben wir die 30 Minuten Autofahrt gut überstanden.
Am See angekommen, mussten wir einen kleinen Eintritt bezahlen. Es war eine richtige Badestelle. Wir sind mit dem Auto rein gefahren und konnten uns unseren Platz am Wasser aussuchen. Dann wurden zwei große Tüten aus dem Auto geholt. In der einen waren Badeanzüge und Badehosen drin und in der anderen Schwimmwesten. Jeder hat sich das rausgesucht, was er braucht und dann ging es auch schon ab ins Wasser. Das Wasser war nicht besonders tief. Aber den Kindern hat es sehr viel Freude bereitet.
Nora und ich haben währenddessen mit Anayouce Rummicap gespielt und Clemens hat im Auto gesessen und geschlafen.
Nachdem die Kinder im Wasser fertig waren, gab es für alle Kekse und ein schön süßes Getränk. Danach haben sich alle wieder ins Auto gequetscht und sind zurück gefahren.
Auf dem Rückweg haben Nora und ich bei einem Lied, das lief mitgesungen. Nur ganz leise und für uns. Dann hat Clemens das Lied auf Dauerschleife spielen lassen. Bei jedem Mal haben wir ein bisschen lauter gesungen. Als wir es nicht mehr hören konnten, waren wir zum Glück wieder am Nikolaushaus.
15.10.2023
Wir waren heute mit Nymwa und den Kids am See. Es war ein super schöner Tag. Die Sonne hat geschienen und wir saßen auf der Wiese. Einige Kids, Nora und Nymwa haben Fußball gespielt. Ich saß einfach nur in der Sonne und habe mich darüber gefreut, dass ich hier mit bin. In dem Moment war ich ganz im Hier und Jetzt und habe beim Fußballspiel zu gesehen. Nora hat mit den Jungs Fußball gespielt, aber mich konnten sie nicht zum Mitspiele überreden. Es lief über eine Box Musik und es hätte nicht schöner sein können.
18.10.2023
Ich habe heute viel mit dem kleinen Kevin (2) gemacht. Er ist einfach super süß und wenn ich bei ihm bin, dann rückt alles andere in den Hintergrund. Ich hab ihn gefüttert und ihn am Nachmittag ins Bett gebracht für seinen Mittagsschlaf. Kevin ist ungefähr so lange im Nikolaushaus, wie Nora und ich und er hat sich schon sehr entwickelt. Es ist super schön zu sehen, wie er sich weiterentwickelt.
19.10.2023
Isabella (6) hat mir heute beigebracht, was Mund, Augen, Nase, Zähne und Zunge auf Kiswahili heißt. Und sie hat mit mir bis 10 gezählt. Da sie nicht so gut reden kann und sehr nuschelt, hat Mama Titu dabei geholfen. Es war super süß und Isabella hat sich sehr gefreut. Isabella sitzt im Rollstuhl und ist körperlich stark eingeschränkt. Geistig ist sie aber sehr fit, was dazu führt, dass sie sich sehr gefreut hat, mir etwas beibringen zu können.
25.10.2023
Johnson (10) kam heute auf mich zu und hat mich einfach umarmt. Ich habe mich riesig gefreut. Schon lange hat mich keiner mehr so umarmt. Es war ein tolles Gefühl, den Kindern ganz viel Liebe zu schenken.
Alicia (4) hat mir heute in einem Buch Sachen auf Swahili erklärt. Was Mund, Augen, Arme, Beine, Bauch bedeutet. So macht das Lernen einer Sprache am meisten Spaß.
Pelegia (10) hat sich heute mit mir ein deutsches Buch angeguckt. Ich habe es ihr ungefähr 5x vorgelesen. Sie hat natürlich überhaupt nicht verstanden, worum es in dem Buch geht, aber das war ihr egal. Ich konnte ihr auch nur sagen, dass die eine Ente die Mama Ente ist und die andere Ente die Tochter Ente ist.
Pelegia hatte später dann eine Wunde am Fuß, Alicia hat sie vorsichtig versorgt und das Blut abgetupft. Es war sehr süß, die beiden zu beobachten.
Als es dann zum Waschen gehen sollte, wollte Alicia nicht ins Badezimmer gehen. Eine Mama hat sie geholt und als Alicia mich gesehen hat, ist sie zu mir losgerannt, damit ich sie wasche.
28.10. 2023
Isabella (6) und ich haben heute gemeinsam mit Lego gebaut und sie hat über das ganze Gesicht gestrahlt. Ich habe einen Turm gebaut und sie hat ihn wieder kaputt gemacht.
Sie kam auf mich zu gekrabbelt und wollte mich umarmen. Sie hat so gestrahlt und die Freude hat sich auf mich und übertragen.
Ich bin später mit Alicia (4) zum Jungenhaus gegangen und dann kam Jackson (11) schon auf mich zu und hat mich umarmt. Mir geht jedesmal das Herz auf, wenn die Kinder auf mich zukommen und mich umarmen. Die Jungs saßen alle auf einer Stufe und ich hab mich dann dazu gesetzt. Dann kamen Johny (4) und Jason (4) auf mich zu und haben sich zu mir gesetzt. Wir haben rumgealbert und viel gekuschelt. Das war sehr schön.
Am Nachmittag hat Irene (11) mich gefragt, ob ich ihre Haare flechten kann. Sie hatte noch echt schöne Zöpfchen. Es waren ungefähr 6 oder mehr Zöpfe. Ich dachte nur: "Nein, nicht aufmachen. Das kann ich doch gar nicht und sie sehen doch noch echt gut aus."
Naja, sie hat die Haare aufgemacht und dann sollte ich sie auch schon flechten. Na toll. Sie hat dann gesagt, dass sie gerne drei Zöpfe haben möchte. Ich habe mein Bestes gegeben. Sie sind ganz in Ordnung geworden. Besser hätte ich es nicht schaffen können. Aber ganz zufrieden bin ich nicht. Die Scheitel sind nicht so gut geworden. Aber sie ist sehr lange mit den Zöpfen rumgelaufen.
Beim Flechten haben mich alle angeguckt. Sogar die ein oder andere Mama stand da und hat zwischendurch geguckt. Ich hab mich sehr beobachtet gefühlt. Naja, ich hab es überstanden. Am Ende des Jahres werde ich ein Profi darin sein Breats zu Flechten. 😂
29.10.2023
Elliot (16) hat mir heute zum ersten Mal zwei Küsschen gegeben und hat sich total darüber gefreut. Das war super süß und ich habe es sehr zu schätzen gewusst. Als ich hier am Anfang angekommen bin, hat sie mich immer angeguckt und wenn ich sie angeguckt habe, hat sie ganz schnell weg geguckt und gelacht.
Heute Abend beim Waschen wollte Alicia unbedingt, dass ich sie abtrockne. Sie hat sich von den anderen nicht abtrocknen lassen. Das war für mich ein halber Liebesbeweis.































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